Darfur: Leiden der Kinder nimmt kein Ende

In einer gemeinsamen Erklärung machen deutsche humanitäre und Menschenrechtsorganisationen – darunter Genocide Alert – auf die prekäre Lage von Kindern in der Krisenregion Darfur aufmerksam und fordern die Bundesregierung sowie die Europäische Union zum Handeln auf. Bundesregierung und EU müssen sich stärker für Beendigung der Darfur-Krise engagieren!

 

Seit fünf Jahren herrschen Krieg und Gewalt in der westsudanesischen Provinz Darfur. Bisher starben über 200.000 Menschen; mehr als 2,2 Millionen sind geflüchtet und leben in Lagern in Darfur sowie dem benachbarten Tschad. Insgesamt sind 4 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Kinder tragen keine Schuld an dem Konflikt, sind aber am stärksten von der Gewalt und ihren Folgen betroffen. Schätzungen der Vereinten Nationen zu Folge sterben in Darfur jeden Tag 75 Kinder unter fünf Jahren an den Folgen des Krieges. Und ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht.

Wir wollen deswegen auf das besondere Schicksal der etwa 2 Millionen betroffenen Kinder in Darfur aufmerksam machen:

  • Akute Unterernährung unter Kindern nimmt zu:

Massive Gewalt gegen Mitarbeiter humanitärer Organisationen, bürokratische Blockaden und Finanznot dauern unvermindert an. Der Zugang für humanitäre Hilfe verschlechtert sich, worunter besonders Kinder leiden. 2007 nahm der Anteil der akut unterernährten Kinder in Darfur von 12,9 % auf 16,1 % zu. Damit ist in Darfur seit 2004 erstmals wieder die Marke für einen offiziellen UN-Notstand überschritten.

  • Jedes zweite Kind ohne Schulzugang

Trotz Anstrengungen humanitärer Organisationen in Flüchtlingslagern Schulen aufzubauen, sind über 650.000 Kinder und damit die Hälfte aller Kinder im Schulalter ohne Zugang zu Schulbildung.

  • Kindersoldaten

Etwa 7.000 Kinder und Jugendliche sind in Darfur Mitglieder bewaffneter Gruppen. Dieser Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention betrifft alle Konfliktparteien. Vor allem regierungsnahe Milizen rekrutieren zudem mit brutaler Gewalt.

  • Kinder als Opfer jüngster Kämpfe

Bei Angriffen der Regierungsarmee und verbündeter Milizen auf die Städte Sirba, Abusurouj und Sylyia in Westdarfur wurden im Februar 115 Menschen getötet, 12.000 Menschen flohen in den benachbarten Tschad, viele Kinder wurden auf der Flucht von ihren Eltern getrennt, Frauen und Mädchen werden permanent Opfer sexueller Gewalt.

Wir appellieren an die Bundesregierung und die Europäische Union, sich deutlich aktiver als bisher für die Menschen in Darfur und ein Ende des Konflikts einzusetzen. In diesem Zusammenhang darf auch die Lage im Tschad und die Umsetzung des Nord-Süd-Friedensabkommens im Sudan nicht länger vernachlässigt werden. Die EU muss mit einer energischen diplomatischen Initiative China, Russland, die Staaten der Arabischen Liga und die USA endlich zu einem gemeinsamen Vorgehen im Rahmen der Vereinten Nationen bewegen. Nur wenn die internationale Gemeinschaft gemeinsam und entschlossen gegenüber den Konfliktparteien in Darfur auftritt, können ein baldiger Waffenstillstand und eine dauerhafte Friedenslösung erreicht werden. Nur dann können auch die Kinder in Darfur wieder ohne Krieg und Gewalt aufwachsen.

Unterzeichner:

amnesty international, Deutsche Sektion
Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER e.V.)
Darfur Hilfe e.V.
Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen
Deutsches Komitee für UNICEF
Genocide Alert
Gesellschaft für bedrohte Völker
Save the Children Deutschland
Stiftung Nord-Süd-Brücken
terre des hommes
Welthungerhilfe

 

pdf Darfur: Leiden der Kinder nimmt kein Ende – 111 KB


Weitere Artikel von Genocide Alert


Si vis bellum, para pacem ? Wie Khartums präkäre Beziehungen mit dem Südsudan einen Frieden in Darfur erwirken könnte Der Konflikt in Darfur hat bis ins Jahr 2010 schätzungsweise 400.000 Menschen das Leben gekostet und mehr als 2,7 Millionen vertrieben. Nach jahrelangen Kämpfen wurde nun am 20. Februar eine 60-tägige Waffenruhe zwischen der Regierung und Vertretern ...
Die Schutzverantwortung und die humanitäre Lage in Darfur Die Schutzverantwortung („responsibility to protect“) wurde im Jahr 2005 einstimmig von der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNO) zur Prävention von Völkermord, Kriegsverbrechen, ethnischen Säuberungen und Verbrechen gegen die Menschlichkei...
0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.