Am 9. Februar 2008 haben die sudanesische Regierung und der United Nations-African Mission in Darfur ein sogenanntes "Status of Forces Agreement" (SOFA) beschlossen, welches die genauen Modalitäten der UNAMID-Friedensmission festlegt. Der Sudan hat seine Unterschrift in den vergangenen Monaten immer wieder herausgezögert unter dem Vorwand, dass es weitere ungeklärte Fragen gäbe. Erst auf deutlichen chinesischen Druck hin fand sich die Regierung des Sudan zu einer konstruktiveren Haltung bereit.
Nach wie vor ermangelt es der UNAMID-Mission jedoch an Ausrüstung, vor allem tauglichen Helikoptern. Letztere sind notwendig um eine angemessene Mobilitäten in der Region von der Größe Frankreichs zu gewährleisten. Dass es entsprechende Kapazitäten auch auf Seiten Deutschlands gibt, zeigt ein Papier der amerikanischen "Save Darfur Coalition".
Derweil wird die Dislozierung der UNAMID-Truppe bis weit ins Jahr 2008 hinein dauern: Von den mandatierten 26.000 Soldaten, Polizisten und sonstigem Personal sind derzeit ungefähr 9.000 in Darfur, welche zum überwiegenden Teil bereits im Rahmen der gescheiterten AMIS-Mission der Afrikanischen Union eingesetzt worden sind.
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Zusammenfassung:
Am 1. Januar 2008 beginnt die UNAMID-Friedensmission der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union in Darfur, welche eine Verbesserung der Sicherheitssituation in der krisengeschüttelten Region zum Ziel hat. Der vorliegende Genocide Alert Policy Brief untersucht die Chancen und Mängel dieser vom UN-Sicherheitsrat am 31. Juli 2007 in Resolution 1769 beschlossenen hybriden Darfur-Friedensmission. Hierfür werden Mandat und Realisierungsmöglichkeiten der Mission unter drei Aspekten kritisch analysiert: Ausrüstung und Ausbildung der Truppe, Kommando und Koordination der Mission, sowie Befugnisse und Mängel des Mandats. Im Anschluss werden bestehende Schwierigkeiten für die Umsetzung des UNAMID-Mandats sowie die Rolle der sudanesischen Regierung erläutert. Genocide Alert kommt hierbei zu dem Schluss, dass für einen Erfolg der Friedensmission eine substantiellere Unterstützung durch die Vereinten Nationen sowie westlicher Industriestaaten dringend notwendig ist. Des weiteren ist eine Erhöhung des wirtschaftlichen und diplomatischen Drucks auf die Regierung des Sudan unabdingbar, wenn diese ihre Obstruktionspolitik nicht einstellen und damit den Erfolg der Mission untergraben sollte.
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Genocide Alert Policy Brief 1/2008: "Chancen und Mängel der UNAMID Friedensmission in Darfur: Ein kritischer Überblick" kann hier heruntergeladen werden.
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SCHLUSSFOLGERUNGEN UND EMPFEHLUNGEN
Die Analyse zeigt deutlich, dass Erfolg und Scheitern der Mission zu
einem großen Teil von der Kooperationsbereitschaft der sudanesischen
Regierung abhängen, sowie dem Willen der internationalen Gemeinschaft,
beschlossene Resolutionen auch gegen den Willen des Sudan in die Tat
umzusetzen. Das bisherige Verhalten der Regierung in Khartum kann dabei
als bewusste Zermürbungsstrategie charakterisiert werden. Hinter der
Taktik der Zentralregierung steht das Ziel, gegen den Druck der
internationalen Gemeinschaft eine Politik des Terrors, der Vertreibung
und schwerer Brüche des humanitären Völkerrechts ungestraft weiter zu
betreiben. Die UNAMID soll diesem Ziel nichts Substantielles
entgegensetzen dürfen.
Die verheerende Situation in Darfur macht jedoch deutlich, dass auf
einen militärischen Einsatz nicht verzichtet werden kann und jede
Verzögerung der Hilfe menschliches Leben kostet. Dennoch muss betont
werden, dass die Entsendung der UNAMID Truppe nach wie vor großen
Herausforderungen gegenüber steht, welche unbedingt gelöst werden
müssen, wenn die Mission ein Erfolg werden soll. Eine unausreichend
ausgestattete Truppe mit stark eingeschränktem Einsatzfeld wird nicht
in der Lage sein, das bereits eng umgrenzte Mandat des Sicherheitsrats
zu erfüllen. Im Falle des Scheiterns der Mission wird dies nicht nur
nicht zum Tod vieler tausender unschuldiger Zivilsten führen, sondern
auch nicht zu überblickende Konsequenzen für die Durchführung künftiger
Peacekeeping-Operationen haben.
Das Scheitern der UNAMID kann aus unserer Sicht nur unter Verfolgung
von drei Strategien verhindert werden: Verstärkte Beteiligung der UN
und nicht-afrikanischen Staaten an der Mission, Forcierter Druck auf
die sudanesische Regierung in Khartum, und Organisation eines
Friedensprozesses.
5.1 Verstärkte Beteiligungen der internationalen Gemeinschaft an der Mission
Die vom Regime in Khartum wahrscheinlich am meisten gefürchtete Folge
des Friedenseinsatzes ist ein verstärktes Interesse der internationalen
Gemeinschaft an der Krise in Darfur sowie die Verhaftung gesuchter
Kriegsverbrecher durch die UNAMID-Truppe. Eine vermehrte
Berichtserstattung der Medien über die Krise ist dabei um so mehr zu
erwarten, je mehr Länder an der Mission beteiligt sind. Dies würde den
internationalen Druck sowohl auf Sudan als auch auf seinen mächtigsten
Verbündeten China erhöhen. Sudan müsste in einer solchen Situation mit
schmerzhafteren Konsequenzen rechnen als bisher. Die beste Taktik der
Regierung diese Entwicklung zu umgehen, ist das Bestehen auf einer
exklusiven Durchführung der Mission durch die AU - mit bloß
unterstützender Hilfe seitens der UN. Die Ausweisung von Personal der
UN und internationalen Hilfsorganisationen sowie die gewaltsame
Auflösung Flüchtlingscamps gehört ebenfalls zu dieser Taktik der
Verschleierung des wahren Ausmaßes der Katastrophe. Der Konflikt und
seine „Lösung“ sollen die Sache des afrikanischen Kontinents bleiben.
Genau dieser Strategie muss die internationale Gemeinschaft den Boden
entziehen. Nur unter verstärkter Beteiligung der UN, beziehungsweise
westlicher Industrienationen, hat die Mission eine realistische Chance
auf Erfolg. Nur hierdurch kann ein stärkeres Engagement der
internationalen Gemeinschaft abgesichert, der Sudan zur Kooperation
gezwungen und eine Friedenslösung organisiert werden. Hierzu ist jedoch
ein deutliches Aufstocken der technischen und materiellen Unterstützung
der Hybrid-Truppe notwendig. Unglücklicherweise besteht in dieser Frage
nach wie vor ein enormer Nachholbedarf, welcher den Erfolg der
Hybrid-Mission substantiell in Frage stellt. NATO, EU und USA sollten
daher uneingeschränkt mit der UNAMID unter der Maßgabe kooperieren,
eine optimale Erfüllung des auf Resolution 1769 beruhenden Mandats zu
gewährleisten.
5.2 Forcierter Druck auf Khartum
Die UNAMID-Mission kann gelingen, wenn internationale öffentliche
Aufmerksamkeit, internationaler Druck und eine Beteiligung der UN an
der Mission erreicht werden. Die effektivste Möglichkeit zum Aufbau von
Druck auf das Regime in Khartum stellen gezielte wirtschaftliche
Sanktionen dar. Die größte Einnahmequelle der sudanesischen Regierung
ist der Verkauf von Erdöl, dessen Erlöse Khartum zu ca. 70% in seinen
Rüstungssektor investiert, z.B. für den Kauf von Militärgerät und zur
Bewaffnung der Janjaweed-Milizen. Die hiermit verbundenen potenziellen
Sanktionsmöglichkeiten stellen das größte Druckmittel dar, über welches
die internationale Gemeinschaft verfügt. Leider wird dieses wirksame
und gewaltfreie Mittel auf UN-Ebene nicht genutzt, weil die
Volksrepublik China als Hauptabnehmer des sudanesischen Öls aus
Profitgründen jegliches Sanktionsvorhaben blockiert. Unabhängig von
einer UN-Resolution besteht jedoch für einzelne Länder oder
Staatengruppen die Möglichkeit, gezielte wirtschaftliche Sanktionen
gegen den Sudan zu verhängen. Die USA gehen diesen Weg bereits seit
längerem, und auch die EU ist aufgrund ihrer handelspolitischen
Bedeutung gegenüber dem Sudan für entsprechende Schritte prädestiniert.
Hierdurch könnte trotz chinesischer Obstruktionspolitik Druck auf
Khartum aufgebaut werden, um die für den Erfolg der Mission notwendige
Kooperation zu erzeugen. Es ist jedoch zwingend erforderlich, dass die
Weltgemeinschaft ihren Worten auch Taten folgen lässt. Die Regierung
des Sudan muss verstehen, dass eine Fortsetzung ihrer
Obstruktionspolitik wirtschaftliche und diplomatische Folgen hat. Vor
diesem Hintergrund ist es mehr als bedauerlich, dass ein entsprechender
Passus aus der Resolution 1769 auf chinesischen Druck hin gestrichen
wurde. Dies bedeutet jedoch nicht, dass EU und USA keine koordinierten
Maßnahmen gegen die sudanesische Regierung ergreifen könnten, wenn
diese weiterhin auf ein Scheitern der UNAMID-Truppe hinarbeitet und
nicht vollständig mit der UN kooperiert.
5.3 Organisation eines Friedensprozesses
Die UNAMID-Friedensmission für sich genommen kann nur einen begrenzten
Beitrag zur Schaffung eines nachhaltigen Friedens in Darfur leisten.
Zwar ist es richtig, dass der Schutz von Zivilisten Priorität vor
politischen Prozessen haben muss. UNAMID kann jedoch nur im Konzert
mit einem Friedensprozess zu einem nachhaltigen Erfolg werden, welcher
seinerseits dann mit Hilfe der Hybridtruppe durchgesetzt und
stabilisiert werden muss. Die Kompromiss- und Friedensbereitschaft der
sudanesischen Regierung kann auch hier am ehesten mittels gezielter
wirtschaftlicher Sanktionen und der Erhöhung des diplomatischen Drucks
erreicht werden. Friedensverhandlungen sind im Allgemeinen umso
erfolgreicher, je umfassender die Inklusion der am Konflikt beteiligten
Parteien sowie Vertretern der Zivilgesellschaft ist. Im Fall Darfur
heißt dies, dass nicht nur die Regierung und die darfurischen
Rebellengruppen wie SLM und JEM an einen Tisch zu bringen sind, sondern
auch die die Region okkupierenden Janjaweed sowie Vertreter der
vertriebenen Zivilbevölkerung. Die Friedensverhandlungen müssen eine
Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat sowie angemessene
Entschädigungen für zerstörtes Eigentum und einen Neuanfang beinhalten.
Dies ist nur bei gleichzeitigem Rückzug der Janjaweed möglich. Diese
befürchten jedoch, dass im Falle eines Friedensabkommens die
internationale Hilfe nur den Vertrieben zukommen wird, wobei die durch
Vertreibung entstandenen Landgewinne wieder verloren gehen würden.
Sollten die Janjaweed daher nicht in die Friedensgespräche einbezogen
werden, ist eine gewaltfreie Rückkehr der Flüchtlinge kaum denkbar. Von
großer Wichtigkeit ist in diesem Zusammenhang aber auch die
Verurteilung, Bestrafung und gegebenenfalls Auslieferung von
Kriegsverbrechern an und durch den Internationalen Strafgerichtshof in
Den Haag. Die Nichtbestrafung derjenigen, die für schwere Brüche des
humanitären Völkerrechts Verantwortung tragen, zum Zwecke der Gewinnung
einer Zustimmung zu einem Friedensprozess, wäre töricht und
mittelfristig zum Scheitern verurteilt.
Robert Schütte ist Vorsitzender von Genocide Alert.



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haben, vereinen sich im Kampf gegen ihn! Was für ein...
Schlüsselaussagen des Interviews:
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