Zerstörte Gebäude in Azaz in Syrien im August 2012 (Quelle: Voice of America News/Wikimedia)

Wie weiter in Syrien, Herr Erbel?

Entzug externer Unterstützung durch Kämpfer, Waffen und Geld für die in Syrien kämpfenden Parteien sowie mehr Unterstützung der Hauptaufnahmeländer für syrische Flüchtlinge – Bernd Erbel, Diplomat und von 2009 bis 2013 deutscher Botschafter im Iran und zuvor in Irak, im Interview mit Genocide Alert über verblieben Handlungsmöglichkeiten im Syrienkrieg

Genocide Alert: Herr Erbel, wie konnten die friedlichen Proteste in Syrien zu einem solch grausamen Bürgerkrieg eskalieren?

Bernd Erbel: Die im März 2011 einsetzenden zivilen Proteste, auf die die Regierung mit großer Härte reagierte, eskalierten schon nach wenigen Monaten zum bewaffneten Konflikt, der zunehmend von Interventionen ausländischer Interessengruppen überlagert wurde. Oppositionelle syrische Kräfte, die ein demokratisches (und ungeteiltes) Syrien anstrebten, wurden dadurch marginalisiert. Der Konflikt stellte damit immer weniger einen „Bürgerkrieg“, als vielmehr einen Stellvertreterkrieg dar, der die Verschiebung der Allianzen in der Region anstrebte.

Bernd Erbel ist Diplomat und war von 2009 bis 2013 deutscher Botschafter im Iran

Bernd Erbel ist Diplomat und war von 2009 bis 2013 deutscher Botschafter im Iran

 Genocide Alert: Welche Handlungsmöglichkeiten wurden Ihrer Meinung nach bislang zu wenig in Betracht gezogen?

Bernd Erbel: Wichtigste Handlungsmöglichkeiten wären die Verhinderung und später der Entzug externer Unterstützung (Kämpfer, Waffen, Geld, einschließlich der Ermöglichung des Transits) für die in Syrien kämpfenden Parteien gewesen.

Genocide Alert: Was sind die drei dringendsten Maßnahmen, die die internationale Gemeinschaft unmittelbar zum Schutz von Zivilisten in Syrien ergreifen kann?

Bernd Erbel: Zum Schutz von Zivilisten in Syrien selbst kann die internationale Gemeinschaft im wesentlichen nur durch politische Einflussnahme im Sinne der zur zweiten Frage genannten Maßnahmen beitragen. Hilfe vor Ort ist nur sehr eingeschränkt umsetzbar, sollte aber wo immer möglich erfolgen und fortgesetzt werden. Indirekte Hilfe kann durch Unterstützung der Hauptaufnahmeländer für syrische Flüchtlinge, Libanon und Jordanien, erfolgen.

 

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