Materialien: 20 Jahre Srebrenica und Prävention von Massenverbrechen

Für all jene, die sich weiter über die Geschehnisse in Srebrenica informieren möchten, haben wir hier eine kurze annotierte Literaturliste zusammengestellt. Die ausgewählten Texte wurden teilweise in unseren Workshops in Frankfurt und Berlin verwendet. Die Auflistung ist selektiv und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr wollen wir mit den hier verlinkten Texten einen Einstieg in die Thematik eröffnen und zur weiteren Recherche anregen.

 

Was ist in Srebrenica geschehen?

Während der Beitrag von Holm Sundhaussen einen Überblick über den Hintergrund der Geschehnisse in Srebrenica und des Bosnienkrieges gibt, diskutiert der Beitrag bei der der Bundeszentrale für politische Bildung den Völkermord in Srebrenica:

» Holm Sundhaussen (2008): Der Zerfall Jugoslawiens und dessen Folgen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 32/2008)

» Bundeszentrale für Politische Bildung (9 Juli 2015): 1995: Das Massaker von Srebrenica.

Für eine intensivere Beschäftigung mit den damaligen Ereignissen können wir die folgenden Bücher empfehlen:

» Angela Wieser (2007): Ethnische Säuberungen und Völkermord: Die genozidale Absicht im Bosnienkrieg von 1992-1995. Frankfurt: Peter Lang.

» Hajo Funke und Alexander Rhotert (1999): Unter unseren Augen: Ethnische Reinheit. Die Politik des Milosevic- Regimes und die Rolle des Westens. Berlin: Verlag Das Arabische Buch (Schriftenreihe Politik und Kultur am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin, Bd. 2, 1999)

Norrie MacQueen und Annette Weerth gehen in diesen Beiträgen aus einem Sonderheft der Zeitschrift „Vereinte Nationen“ auf das Konzept der UN Schutzone ein – welches in Srebrenica kläglich gescheitert war – und entwickeln Vorschläge für eine Weiterentwicklung solcher international gesicherter Zonen.

» Norrie MacQueen (2015): Srebrenica und die schweren Anfänge einer ›neuen Friedenssicherung. in: Vereinte Nationen 2/2015, S. 99-105.

» Annette Weerth (2015): 20 Jahre Srebrenica – Zeit für ein UN-Schutzzonenkonzept. in: Vereinte Nationen 2/2015, S. 107 – 113.

Die Zeitungsartikel von Andres Wysling (NZZ) und Matthias Funk (DIE ZEIT) gehen auf das Scheitern der Schutzzone in Srebrenica ein

» Andres Wysling (2015): Schutzzone ohne Schutz. in: Neue Zürcher Zeitung  Online 11. Juli 2015.

» Matthias Funk (2015): Die Verlorenen. in: ZEIT ONLINE 12.07.2015.

Auch die UN und die Niederlande haben das Scheitern der Blauhelmsoldaten in Srebrenica umfassend aufgearbeitet. Nachfolgend die offiziellen Untersuchungsberichte

» Vereinte Nationen (1999): The Fall of Srebrenica. UN Document NR.: A/54/549.

» Netherlands Institute for War Documentation (2002): Srebrenica, a ’safe‘ area – Reconstruction, background, consequences and analyses of the fall of a safe area. Amsterdam: NIOD.

Der Krieg in Bosnien-Herzegowina war durch ein großes Ausmaß an sexualisierter Gewalt geprägt. Geschlechterbasierte Gewalt wurde als Instrument zur Zerstörung der Gemeinschaften, für ethnische Säuberungen, mit dem Ziel der Terrorisierung der Bevölkerung und als Teil von Plünderungen angewandt. Die UN geht von mehr als 50.000 Vergewaltigungen während des Konflikts aus. Ein Bericht des Women under Siege Projects gibt einen Überblick:

» Michele Lent Hirsch (08.02.2012): Women Under Siege Project.Conflict Profiles – Bosnia. Womens Media Centre.

Das Buch „Srebrenica – Ein Prozess“ von Julija Bogoeva und Caroline Fetscher vermittelt einen Überblick über die Verhandlungen über den Völkermord in Srebrenica vor dem Internationalen Gerichtshof für das ehemalige Jugoslawien und bereitet hierfür Vernehmungsprotokolle und Prozessdokumente auf.  Hannah Birkenkötters Beitrag im Sonderheft der Zeitschrift „Vereinte Nationen“ und der Text von Amnesty International geben dagegen einen Überblick über den aktuellen Stand der strafrechtlichen Aufarbeitung des Völkermords in Srebrenica und die nachwievor existierenden Probleme in diesem Zusammenhang.

» Hannah Birkenkötter (2015): Wessen Verantwortung, welches Gericht? 20 Jahre nach Srebrenica ist die gerichtliche Aufarbeitung noch lange nicht abgeschlossen. in: Vereinte Nationen 2/2015, S.114-120.

» Amnesty International (11 Juli 2015): Srebrenica: No justice or truth for victims of genocide and their families.

» Julija Bogoeva und Caroline Fetscher (2002): Srebrenica. Ein Prozeß – Dokumente aus dem Verfahren gegen General Radislav Krstic vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag. Frankfurt: Suhrkamp.

 

Wie funktioniert die Frühwarnung vor solch schweren Massenverbrechen wie Völkermord?

Basierend auf der bestehenden Forschung hat das Büro der Vereinten Nationen für Völkermordprävention und die Schutzverantwortung einen Frühwarnungs-Analyserahmen entwickelt. Dieser umfasst eine Liste von 14 Risikofaktoren für schwere Gräueltaten sowie Indikatoren, um diese Risiken einzuschätzen. Acht dieser vierzehn Risikofaktoren sind allgemeiner Natur, sechs sind spezifisch für bestimmte Gräueltaten.

» United Nations Office on Genocide Prevention and the Responsibility to Protect (2014): Framework of Analysis for Atrocity Crimes. A tool for prevention.

Das US Holocaust Memorial Museum hat das bislang wohl umfassendste Frühwarnungsprojekt initiiert, welches einerseits auf einem selbstlernden Algorithmus basiert, der automatisiert Medienberichte auswertet und andererseits auf die Risikoeinschätzungen von Expertinnen und Experten zurückgreift:

» US Holocaust Memorial Museum: Early Warning Project

Darüber hinaus existieren verschieden Mittel der Frühwarnung, die auf verschiedenen Ebenen ansetzen: Wie kann die Bevölkerung vor Ort gewarnt werden? Wie können internationale Akteure solche Risiken frühzeitig erkennen? Welche Rolle können modernde Technologien, wie Mobiltelefone, Soziale Medien oder Satellitenüberwachung spielen? Diese Themen wurden bei einer von Oxfam im November 2009 in Australien durchgeführten Konferenz diskutiert. Die Ergebnisse sind hier zu finden:

» Oxfam (2009): Early Warning for Protection Technologies and practice for the prevention of mass atrocity crimes.

 

Wie können Gräueltaten frühzeitig verhindert werden? Welche Instrumente stehen der internationalen Gemeinschaft zur Verfügung?

Im ersten Bericht des UN Generalsekretärs zur Umsetzung der internationalen Schutzverantwortung werden die drei Säulen der Responsibility to Protect und zugehörige Instrumente diskutiert: Verantwortung des Staates, Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft und Reaktion auf stattfindende Gräueltaten.

» Vereinte Nationen (2009): Umsetzung der Schutzverantwortung. Bericht des Generalsekretärs. UN Dokument Nr.: A/63/677

Das Team um die aktuelle Sonderberaterin für die Schutzverantwortung des UN Generalsekretärs, Prof. Jennifer Welsh, hat eine Rahmenstrategie für die Prävention von Gräueltaten entwickelt.

» Reike, Ruben; Sharma, Serena; Welsh, Jennifer (2013): A Strategic Framework für Mass Atrocity Prevention. Civil-Military Working Paper 3/2013. Australian Civil-Military Centre; Oxford Institute for Ethics, Law and Armed Conflict

In diesem Beitrag geht Alex Bellamy, der aktuelle Direktor des Asia-Pacific Centers for the Responsibility to Protect auf den Unterschied zwischen Krisenprävention und Gräueltatenprävention ein:

» Bellamy, Alex J. (2011): Mass Atrocities and Armed Conflict: Links, Distinctions, and Implications for the Responsibility to Prevent. Stanley Foundation Policy Analysis Brief (February 2011).

In diesem Report geht Gregor Hofmann auf die diplomatische Debatte über die internationale Schutzverantwortung ein. Er stellt dabei verschiedene internationale Initiativen, Netzwerke und Nichtregierungsorganisationen vor, die sich der Prävention von Gräueltaten verschrieben haben.

» Gregor Hofmann (2014): Im Streit gestärkt oder umstrittener als behauptet? Zehn Jahre diplomatische Kontroversen über die Schutzverantwortung, HSFK-Report Nr. 9/2014, Frankfurt/M.

 

Transitional Justice: Wie sieht Vergangenheitsbewältigung und strafrechtliche Aufarbeitung von Massenverbrechen aus?

Die folgenden beiden Texte von Martina Fischer und Susanne Buckley-Zistel geben einen sehr guten Überblick über die Entwicklung der Vergangenheitsaufarbeitung und Versöhungsinitiativen in der Folge von bewaffneten Konflikten:

» Fischer, Martina: Transitional Justice and Reconciliation: Theory and Practice. In:  Advancing Conflict Transformation: The Berghof Handbook II, hrsg. v. B. Austin, M. Fischer und H. J. Giessmann. Opladen/Framington Hills: Barbara Budrich Publishers. S. 406-430.

» Susanne Buckley-Zistel (2007), Transitional Justice, in: Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, 2007, S. 1-8.

 

Schutz von Zivilisten und UN Peacekeeping

Die folgenden Texte von Thorsten Benner und Phillip Rotmann sowie von Ekkehard Griep, Ashley Jackson und den Citizens for Global Solutions geben einen sehr guten Überblick über die Entwicklung des Schutzes von Zivilisten durch UN Friedensmissionen. Dieser Aspekt hat in Folge der Aufarbeitung der Geschehnisse in Ruanda und Srebrenica an Bedeutung zugenommen:

» Thorsten Benner (2010): Vom Versprechen zur Umsetzung: Der Schutz von Zivilisten als Aufgabe von UN-Friedensmissionen. Erhöhte menschliche Anforderungen an multilaterale Friedensmissionen? – „Menschliche Sicherheit“ als Herausforderung für die internationale Friedenspolitik, Arbeitspapiere DSF No. 5 (Osnabrück, DSF), S. 42-53.

» Thorsten Benner und Phillipp Rotmann (2009): Heillos überfordert. UN-Friedenseinsätze und der Schutz von Zivilisten in Konfliktzonen. in: Vereinte Nationen 4/2009, S. 147-152.

» Ekkehard Griep (2015): ›Standby‹: Zeit für die Wiederbelebung einer guten Idee. in: Vereinte Nationen 2/2015, S.106.

» Citizens für Global Solutions (2010): Protecting Civilians in Armed Conflict.

» Ashley Jackson (2014): Protecting Civilians: the gap between norms and practice. in: Humanitarian Policy Group – Policy Brief 56. London: Overseas Development Institute.

 

Diese Liste wurde zusammengestellt von Aurora Kastrati, Jessica von Farkas,
Christoph Schlimpert, Gregor Hofmann und Timo Leimeister


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