©ICRC/Benno Neeleman | http://www.flickr.com/photos/britishredcross/9082110405/sizes/l/ | (CC BY 2.0)

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Der Völkermord in Ruanda 1994

Vor zwanzig Jahren fand im “Land der Tausend Hügel” in rasender Schnelle vor den Augen der Weltöffentlichkeit ein Völkermord statt.

Entlang der Einteilung in die sozialen Gruppen der Tutsi und Hutu herrschten in Ruanda jahrzehntelange Spannungen, die mehrmals in Gewalt ausbrachen. Zunehmend entstanden Gruppierungen extremistischer Hutu, welche gegen die Minderheit der Tutsi hetzten. Ebenso bildeten sich im angrenzenden Exil bewaffnete Bewegungen der Tutsi.

Zwar werden Zahlen dem Schrecken nicht gerecht, doch wurden 1994 in knapp einhundert Tagen über 800 000 Menschen ermordet. Nicht nur diese Schnelle des Mordens ließ auf die genaue Planung  des Völkermords, ausgehend von Militärs und wohlhabenden Ruandern, schließen. Bereits ab Januar 1993 verdoppelte sich der Import von Macheten nach Ruanda. Im Januar 1994 veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch einen Bericht, der weitere Importe von Waffen nach Ruanda genau dokumentierte. Als vier Monate vor Beginn des Mordens der in Ruanda vorhandenen UN-Truppe (UNAMIR) ein ruandischer Offizier vertraulich über die intensive Vorbereitung von Mordkommandos Bericht erstattete, stieß diese Nachricht in den Büros der Vereinten Nationen in New York auf taube Ohren.

Am 6. April 1994, mit dem bis heute ungeklärten Mord am ruandischen Präsidenten, begann schließlich der Völkermord. Anfangs wurden gezielt zentrale politische Amtsträger ermordet, rasch weiteten sich die Gewalttaten auf die gesamte soziale Gruppe des Tutsi sowie vermeintlichen Komplizen, die der Gruppe der Hutu angehörten, aus. Straßensperren, an denen Pässe auf die Einordnung in Hutu oder Tutsi kontrolliert wurden, spickten Kigali und das gesamte Land. Im Radio wurde täglich zur Beteiligung am Morden aufgerufen, in dem ‘Animateure’ Namen und Anschriften von Ruandern verlasen, die in das Feindbild des Senders passten. Bürgermeister wurden zu Organisatoren der Gewalt, statt ihre eigenen Bürger zu schützen.

© UN Photo/J. Issac. 25/07/1994. Goma, Zaire. | http://www.flickr.com/photos/un_photo/4421126834/sizes/o/ | (CC BY-NC-ND 2.0)

© UN Photo/J. Issac. 25/07/1994. Goma, Zaire. | http://www.flickr.com/photos/un_photo/4421126834/sizes/o/ | (CC BY-NC-ND 2.0)

Mit Beginn des Völkermordes entstanden immense Flüchtlingsströme aus Ruanda in die angrenzenden Staaten Tansania, Burundi und Zaire (heute die Demokratische Republik Kongo). Ab Juni 1994 nutzen dies die génocidaires (Völkermörder), um ebenfalls die Flucht zu ergreifen. Im Chaos der errichteten Flüchtlingslager gelang es ihnen, ihre Machtstrukturen zu erhalten, die teilweise bis heute weiterbestehen.

Nicht nur im Vorfeld des Völkermordes blieb ein entschiedenes Eingreifen durch die internationale Gemeinschaft aus. UNAMIR wurde mehrmals personelle und materielle Verstärkung versagt. So blieb die Mission für den gesamten Verlauf des Völkermords stark unterbesetzt und konnte kaum Sicherheit für Millionen von Ruandern gewährleisten.

Auch zwanzig Jahre nach dem Genozid stellen sich Fragen, wie in der Zukunft ähnliche Verbrechen verhindert werden können. Welche Rolle spielen die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen? Kann die Zivilgesellschaft in solchen Fällen die Initiative ergreifen? Kommt der Bundesrepublik Deutschland eine besondere Verantwortung zu? Und wenn ja, welche? Und wie könnte sie diese umsetzen?

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